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Polizei warnt vor Taschendieben

Augen auf Tasche zu
Polizei warnt vor Taschendieben
Polizei Bielefeld erklärt die Tricks der Täter und gibt Tipps zum Schutz vor Taschendiebstahl
Sonja Rehmert

Im Bereich des "Taschendiebstahls" sind in Bielefeld steigende Fallzahlen festzustellen. Dabei ist die Gefahr, Opfer eines Taschendiebstahls zu werden, an den Werktagen zur Tageszeit am höchsten, an den Wochenenden hingegen in den Nächten und Abendstunden von Freitag auf Samstag und von Samstag auf Sonntag.

Diese steigenden Fallzahlen sind für die Polizei NRW alarmierend. Zu berücksichtigen ist, dass diese vor allem durch Mehrfachtäter verursacht werden. Viele Taschendiebe verdienen als professionelle Täter mit ihren Taten ihren Lebensunterhalt und bedienen sich verschiedener effektiver Tricks, um die Unachtsamkeit ihrer Opfer auszunutzen. Günstige Gelegenheiten - bspw. unbeobachtete Taschen in Einkaufswagen oder Fahrradkörben - werden von Taschendieben für Diebstähle konsequent genutzt.

Zudem gehen Täter meist in Teams von mehreren Personen arbeitsteilig vor: Während einer das Opfer ablenkt, "zieht" der Täter andere die Beute, meist Bargeld, EC-Karten und Smartphones. Weitere Personen decken die Tat und nehmen das Gestohlene an sich, so dass selbst in den Fällen, in denen der Täter erkannt wird, das Diebesgut nicht bei ihm aufgefunden werden kann. Die Ablenkungshandlungen sind dabei vielfältig und werden ständig variiert. Die folgende Darstellung ist damit nicht abschließend:

- Der "Rempel-Trick": Das Opfer wird im Gedränge angerempelt oder "in die Zange" genommen. Der Komplize bleibt plötzlich stehen. Während das Opfer auf den Komplizen aufläuft und dadurch abgelenkt wird, entwendet der "Zieher" die Wertsachen der ahnungslosen Opfer. Bevorzugte Tatorte sind die öffentlichen Verkehrsmittel im Nah- und Fernverkehr. Auch Rolltreppen, Drehtüren, Fahrstühle oder andere Ein- und Ausgangsbereiche zählen zu den gefährdeten Bereichen. 

- Der "Drängel-Trick": In stark frequentierten Bussen oder Bahnen rückt der Taschendieb unangenehm dicht an das Opfer heran. Der Dieb drängelt so lange bis das Opfer ärgerlich seinen Rücken zuwendet und sich die mitgeführte Hand- oder Umhängetasche "griffbereit" darbietet. 

- Der "Beschmutzer-Trick": Insbesondere nach Geldabhebungen wird die Oberbekleidung vom Opfer unbemerkt mit einer Flüssigkeit wie Senf
oder Ketchup beschmutzt. Der Täter und seine Komplizen zeigen sich "hilfsbereit". Beim wortreichen Reinigungsversuch verschwindet das zuvor abgehobene Geld. 

- Der "Bettel-Trick": Dieser Trick wird vorwiegend von Kindern angewendet. Dabei wird dem Opfer ein Pappschild mit der Bitte um eine Spende vorgehalten. Während das Opfer bereitwillig nach Kleingeld im Münzfach der Geldbörse sucht, zieht der Täter abgedeckt durch das Pappschild die Banknoten aus dem Scheinfach. Auch der Griff in die offene Handtasche ist denkbar. 

- Der "Stadtplan-Trick": Der Taschendieb spricht sein potentielles Opfer an, zeigt sich ortsunkundig und fragt unter Vorhaltung eines Stadtplans nach dem Weg. Während das Opfer die Karte in die Hand nimmt und sich orientiert öffnet der Taschendieb unbemerkt die Hand- oder Bauchtasche. Alternativ fällt der Taschendieb seinem Opfer um den Hals, bedankt sich überschwänglich für die Hilfsbereitschaft und zieht dabei die Beute aus den Taschen. Auf diese Weise werden auch Personen bestohlen, die vorher z.B. um eine Zigarette gebeten worden sind.

- Der "Taschenträger-Trick": Taschendiebe spähen Personen z.B. vor Warenhäusern oder auf Bahnhöfen aus. Ein Täter zeigt sich hilfsbereit und bietet seine Hilfe an, indem er die Reisetasche in den Zug trägt.Während der Taschenträger voraus eilt oder im Einstiegsbereich eines Zuges einen künstlichen Stau provoziert, stielt der Mittäter die mitgeführten Wertgegenstände aus der Umhänge- oder Handtasche des Opfers. 

- Der "Geldautomaten-Trick": Das Opfer wird am Geldautomat durch einen der Täter bedrängt oder durch einen Trick abgelenkt. Während das Opfer sich bei der Eingabe der PIN - Nummer gegen den Belästiger abschirmt, hat ein Komplize die Möglichkeit, sich die Nummer zu notieren, die Karte zu stehlen oder auszutauschen. Zudem kann der Täter die Situation nutzen um die eingegebene Geldverfügung abzubrechen, den Betrag zu erhöhen und das ausgezahlte Bargeld zu entwenden. 

- Der "Klemmbretttrick": Angeblich werden bei Spendensammlungen auf Straßen Gelder für bedürftige Kinder gesammelt. Dabei wird aus der
geöffneten Geldbörse der Geschädigten Geld entwendet, wobei die Geldbörse mit einem Klemmbrett abgedeckt wird. Auf gleiche Weise werden in Gaststätten Mobiltelefone von Tischen entwendet. 

- Besondere Beachtung verdient darüber hinaus ein Trick, der auch in Bielefeld zunimmt - der sog. "Antanz-Trick": Auf der Straße oder in Diskotheken werden meist offensichtlich nicht mehr nüchterne Personen durch das "Herantanzen" der Tatverdächtigen oder durch "Dribbeln" mit einem imaginären Ball abgelenkt, so dass Körperkontakt möglich ist und von den überraschten Opfern zugelassen wird. Dabei werden Taschendiebstähle ausgeführt. Bei den Tätern handelt es sich
i. d. R. um junge Männer aus Nordafrika, meist Algerier oder Marokkaner. 

Aufgrund dieser Tatbegehungsweisen können Opfer von Taschendiebstählen die Täter nur selten beschreiben. Tatverdächtige können nur in wenigen Fällen ermittelt werden. Die meisten Tatverdächtigen (60%) verfügten über einen Wohnsitz in Bielefeld oder dem näheren Einzugsbereich zwischen Herford, Detmold, Gütersloh etc.

Das PP Bielefeld begegnet daher der Taschendiebstahlskriminalität mit verschiedenen Maßnahmen, sowohl offen als auch verdeckt: Während zivile Kräfte örtliche Brennpunkte - Bahnhofsbereich mit Boulevard bzw. Innenstadt/Fußgängerzone - beobachten, gehen uniformierte Kräfte offen gegen Taschendiebe vor und informieren Bürgerinnen und Bürger. Eine spezialisierte kriminalpolizeiliche Sachbearbeitung verfolgt angezeigte Straftaten.

Zur Aufklärung über Tatbegehungsweisen und Verhaltensmaßnahmen hat das PP Bielefeld bspw. im August 2015 eine Podiumsdiskussion auf dem Jahnplatz ausgerichtet. Trailer und Logo der Landeskampagne gegen Taschendiebstahl "Augen auf - Tasche zu" liefen 2015 auf den Infoscreens in den Bussen und Bahnen und werden aktuell (Februar 2016) wieder in Stadtbahnen und Bussen gezeigt. Durch regelmäßige Kontakte zu den Geschäften in der Innenstadt werden die Angestellten für Taschendiebstähle sensibilisiert und mit den Betreibern des Bielefelder Nachtlebens in sog. runden Tischen Maßnahmen zur Senkung der Diebstähle erörtert.

Durch aufmerksames und achtsames Verhalten jedes Einzelnen - insbesondere im Umgang mit den eigenen Wertgegenständen - können Tatgelegenheiten reduziert und Taschendiebe von der Begehung von Diebstählen abgehalten werden:

- Tragen Sie Geld, Kreditkarten, Papiere und andere Wertsachen immer eng am Körper. Nutzen Sie verschlossene Innentaschen. 

- Tragen Sie Hand- und Umhängetaschen sowie Rucksäcke im Gedränge mit dem Verschluss zum Körper und vor dem Bauch. 

- Halten Sie immer Körperkontakt zu Ihrem Handgepäck. 

- Lassen Sie niemals Wertgegenstände in Jacken, die Sie an Garderoben oder über Stuhllehnen hängen. 

- Seien Sie achtsam, zum Beispiel wenn Sie angerempelt werden oder Ihre Kleidung scheinbar unbeabsichtigt beschmutzt wird. Dies könnte ein Trick sein, um an Ihr Geld zu gelangen. 

Über den Verlust der Gegenstände hinaus, ist der Aufwand für die Wiederbeschaffung von Personalpapieren z.B. Ausweis, Führerschein, Kreditkarte o.ä. ärgerlich und lästig. Das kostet Zeit und Nerven. Ist das Smartphone weg, besteht meist auch die Gefahr des Missbrauchs der darauf befindlichen Daten - zum Beispiel der Zugänge zum Mailpostfach oder Onlineshops.

- Sichern Sie den Sperrbildschirm Ihres Handys mit einer PIN.

- Sichern Sie Ihre Daten regelmäßig.

- Nutzen Sie für den Fall des Diebstahls Software zur Geräteortung.