Polizeinotruf in dringenden Fällen: 110

Menü

Inhalt

Anerkennendes Gespräch mit Polizeipräsidentin
Einen zweiten Geburtstag ermöglicht
Dr. Sandra Müller-Steinhauer spricht couragiertem Bielefelder Ehepaar Dank und Anerkennung aus.
Caroline Steffen

Am Montagnachmittag empfing Polizeipräsidentin Dr. Sandra Müller-Steinhauer ganz besondere Gäste für ein Gespräch: Sie hatte das Ehepaar Christina und Christoph Lechtreck auf einen Kaffee eingeladen, um sich bei ihnen für ihr couragiertes Handeln zu bedanken. Die beiden hatten im Oktober den Sturz eines Motorradfahrers auf der A 30 vor sich gesehen, hielten sofort an und leisteten erste Hilfe, sowie Reanimationsmaßnahmen, bis die Rettungskräfte eintrafen. Nicht nur die Präsidentin wollte sich an diesem Nachmittag bei den beiden bedanken, auch der verunfallte Motorradfahrer, Dr. Klaus Günter Schlegel, konnte bei dem Termin seinen Dank persönlich zum Ausdruck bringen. Denn die sofort geleistete Hilfe rettete ihm das Leben.

Es war ein emotionaler Moment, als die Beteiligten sich im Büro von Frau Dr. Müller-Steinhauer das erste Mal seit dem Unfall wiedersahen. Herr Dr. Schlegel überreichte dem Ehepaar Lechtreck einen Blumenstrauß und eine Karte mit einigen persönlichen Worten. Christina und Christoph Lechtreck war die Erleichterung deutlich anzusehen, dass es Herrn Schlegel gesundheitlich schon wieder so gut ging.

Bei einer Tasse Kaffee und Plätzchen rekapitulierten sie das Erlebte. „Tatsächlich kann ich mich kaum noch an etwas von dem Unfall erinnern“, erzählte Dr. Klaus Günter Schlegel. Seine Frau Ursula Schlegel berichtete, dass der 73-jährige Physiker, der lange Jahre an der Uni Bielefeld im Bereich der Quantenmechanik forschte, seinem Bruder mit seinem Motorrad helfen wollte. Er sollte das Motorrad warm fahren, bevor er es für ihn zum TÜV bringen wollte. „Ich weiß noch, dass ich auf einmal spürte, wie meine Glieder taub wurden und mir schwindelig wurde“, berichtete er. „In dem Moment war mir klar: Oh oh, das kann nicht gut ausgehen. Ich bin einige Jahre Motorradrennen gefahren und habe dann wahrscheinlich instinktiv gehandelt. Ich habe versucht die Maschine an den Straßenrand zu lenken und langsamer zu werden. Da hatte ich aber schon massive Probleme mit dem Gleichgewicht und ich habe nur noch versucht das Motorrad einigermaßen kontrolliert auf die Seite zu legen. Ab dem Moment weiß ich nichts mehr.“ 

Christina Lechtreck berichtete dann weiter aus ihrer Wahrnehmung: „Wir hatten an diesem Tag beide Urlaub genommen und wollten eigentlich anlässlich meines Geburtstages eine Wanderung machen. Beim Unterhalten im Auto haben wir dann irgendwie nicht auf das Navi geachtet und sind falsch abgebogen, so dass wir dann ein Stück auf der A 30 gefahren sind.“ 

„Kurz nach uns, sind Sie auf dem Motorrad ebenfalls aufgefahren und haben uns dann überholt. Sie scherten dann einige Meter vor uns wieder auf die rechte Spur, aber dann sahen wir, wie Sie immer langsamer wurden und auf dem Seitenstreifen ins Schlingern gerieten und stürzten“, berichtete sie an Dr. Klaus Günter Schlegel gewandt.  „Mein Mann hat sofort die Aufgaben verteilt. Er ist losgegangen, um die Unfallstelle abzusichern und den Notruf abzusetzen. In der Zeit bin ich zu Ihnen geeilt und habe dann angefangen erste Hilfe zu leisten. Ich bin zwar gelernte Operationstechnische Assistentin, aber ehrlicherweise war das für mich auch erstmal eine große Überwindung und ich habe mehr als einmal überlegt, ob ich jetzt das Richtige mache“, ergänzte die 36-jährige Bielefelderin. 

Die Rettungskräfte übernahmen dann und brachten Dr. Klaus Günter Schlegel ins Krankenhaus, wo er weiter behandelt wurde. „Sie haben auf jeden Fall das Richtige getan! Sie haben etwas getan, was eigentlich selbstverständlich sein sollte, es aber nicht ist“, bedankte sich Dr. Müller-Steinhauer. „Sie sind nicht einfach weitergefahren, sondern haben angehalten und sofort die richtigen Maßnahmen getroffen. Und das auf der Autobahn, was auch für Sie selbst nicht ungefährlich war. Ich danke Ihnen ausdrücklich dafür und hoffe, dass sich viele Menschen ein Beispiel an Ihrem vorbildlichen Handeln nehmen.“ Im Anschluss überreichte die Präsidentin noch eine kleine Aufmerksamkeit.

„Jetzt haben wir am gleichen Tag Geburtstag“, sagte Dr. Klaus Günter Schlegel lächelnd an Christina Lechtreck gerichtet. „Das mit Abstand schönste Geschenk ist, dass Sie jetzt hier so stehen“, erwiderte Christina Lechtreck. Dieser Tag wird allen bestimmt noch lange im Gedächtnis bleiben.

In dringenden Fällen: Polizeinotruf 110