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PK Verkehr
Jahresbilanz Verkehr 2021
Polizeipräsidentin Dr. Katharina Giere und die Leiterin der Direktion Verkehr, Leitende Polizeidirektorin Margit Picker, stellten die Verkehrsunfallentwicklung 2021 für Stadt und BAB vor.
Sonja Rehmert

Statement der Polizeipräsidentin Dr. Katharina Giere zur Pressekonferenz Jahresbilanz Verkehr 2021

"Während sich im Jahr 2020 die Gesamtzahl der Verunglückten sowohl im Bielefelder Stadtgebiet, als auch auf den ostwestfälischen Autobahnabschnitten spürbar verringerte, zeigte sich für das vergangene Jahr eine geteilte Entwicklung. Erfreulich ist, dass sich im Stadtgebiet weniger Verkehrsunfälle ereigneten und dabei auch weniger Menschen verunglückten. Auf den Autobahnen in unserem Zuständigkeitsbereich stieg die Gesamtzahl der Verkehrsunfälle, wobei es sich zum ganz überwiegenden Teil um Sachschadenunfälle handelte. Trotzdem waren insgesamt auch mehr Verunglückte zu verzeichnen.

Zu den Entwicklungen im Stadtgebiet:

Im Stadtgebiet ereigneten sich insgesamt 7.738 Verkehrsunfälle, das sind 1,6% weniger als im Vorjahr. Wir registrierten 5,5% weniger Verunglückte. Mit 1.086 liegt die Anzahl der Verunglückten im Fünfjahresvergleich auf dem Tiefststand. Es ist nicht auszuschließen, dass neben dem coronabedingten geringeren Verkehrsaufkommen auch die Sperrung von Straßen für den Autoverkehr im Rahmen der Umsetzung der Verkehrswende in der Innenstadt Einfluss auf diese Entwicklungen nahm. Fünf Menschen wurden bei Verkehrsunfällen getötet, zwei weniger als im Vorjahr, darunter keine Kinder.

In den Zielgruppen Kinder und Jugendliche stieg jeweils die Anzahl der Verunglückten an, bei Kindern um 5 auf 96, bei Jugendlichen um 12 auf 48, die Verunglücktenhäufigkeitszahlen bewegen sich aber unter dem Landesdurchschnitt. Es verunglückten mehr Kinder und Jugendliche bei Verkehrsteilnahme mit Zweirädern, was mutmaßlich auf eine veränderte Freizeitgestaltung während der Pandemie zurückzuführen ist.  

Bei den Seniorinnen und Senioren stieg die Anzahl der Verunglückten um 14 auf 133. Von 11 schwer verunglückten Menschen im Alter von 80 oder mehr Jahren verunglückten 6 tödlich oder wurden schwerverletzt. Damit steigt der Anteil von Seniorinnen und Senioren über 80 Jahre mit schweren oder tödlichen Verletzungen auf einen Anteil von 54,5%, obwohl deren Bevölkerungsanteil nur 7% beträgt. 30,8% der Verkehrsteilnehmenden über 65 Jahre verletzten sich als Rad Fahrende. Mit 41 von 133 mit dem Rad verunglückter Menschen im Seniorenalter hält sich die Anzahl weiter auf hohem Niveau. 10 dieser 41 Verunglückten waren mit einem Pedelec unterwegs; das bedeutet, dass gut 24% aller Radfahrunfälle mit Seniorinnen und Senioren auf einem Pedelec passierten. Insgesamt blieb die Gesamtzahl verunglückter Rad Fahrender nahezu unverändert. Die Gesamtzahl verunglückter Pedelec Fahrender stieg allerdings spürbar - mutmaßlich korrespondierend zu steigenden Nutzerzahlen - um 22 auf 86 an. Der seit 2017 anhaltende Trend zu mehr verunglückten Pedelec Fahrenden hält damit auch im Jahr 2021 an.

„Fehler beim Abbiegen und Wenden, Rückwärtsfahren und An- und Einfahren" waren nach wie vor Hauptunfallursache Nr. 1 im Stadtgebiet vor „Missachtung von Vorfahrt und Vorrang" und „Abstandsverstößen". Diese Hauptunfallursachen spielten in derselben Reihenfolge ebenfalls die größte Rolle bei den Verkehrsunfällen mit Personenschaden. So ereignete sich mit der Hauptunfallursache „Abbiegen" am 12.01.2021 ein tödlicher Verkehrsunfall auf der Jöllenbecker Straße. Eine 85-jährige Fußgängerin, die die Jöllenbecker Straße von der Straße Schelpsheide in Richtung Lange Straße überqueren wollte, wurde von einem linksabbiegenden PKW erfasst und tödlich verletzt.

Von insgesamt 899 Verkehrsunfällen mit Personenschaden ereigneten sich 33 oder 3,7% unter Verkehrsbeteiligung eines E-Scooters. Obwohl der Bestand an diesen Elektrokleinstfahrzeugen verhältnismäßig gering ist, nimmt ihre Beteiligung an Verkehrsunfällen signifikant zu. Im Jahr 2020 verzeichneten wir 16 Verkehrsunfälle mit E-Scootern, darunter 9 mit Personenschaden und 9 Verunglückten. Im Jahr 2021 waren es schon 40 Verkehrsunfälle, darunter 33 mit Personenschaden und 36 Verunglückten. Von den 36 Verunglückten erlitten 7 Personen schwere und 29 Personen leichte Verletzungen.

Im vergangenen Jahr leiteten wir insgesamt 48 Strafverfahren wegen verbotener Kfz-Rennen ein. Der im Jahr 2017 als neue Rechtsgrundlage in das Strafgesetzbuch aufgenommene Tatbestand umfasst auch so genannte „Alleinrennen", das wir zum Beispiel im Februar 2021 bei einem Bielefelder PKW-Fahrer zur Anzeige brachten. Dieser beging mit 157 km/h auf der Herforder Straße bei erlaubten 50 km/h die höchste gemessene Geschwindigkeitsüberschreitung des Jahres 2021.

Zu den Entwicklungen auf den Autobahnen:

Auf den Autobahnen in unserem Zuständigkeitsbereich ereigneten sich mit insgesamt 2.453 Verkehrsunfällen 687 mehr als im Vorjahr, das ist ein Anstieg um 38%. Überwiegend ereigneten sich Sachschadenunfälle. Der Anstieg lässt sich mit den niedrigen Unfallzahlen des Vorjahres erklären, die auf den Lockdown und Kontaktbeschränkungen in 2020 während der Corona-Pandemie zurückzuführen waren. Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Gesamtzahl der Verkehrsunfälle mit Personenschaden um 29 Unfälle an, liegt im Ergebnis aber noch unter dem Niveau der Vorjahre. Auch die Verunglücktenzahl stieg von 348 auf 385 an, liegt aber nach wie vor deutlich unter der in den Jahren 2019 und früher. Es waren weniger Getötete und Schwerverletzte, aber mehr Leichtverletzte zu verzeichnen.

Wie auch schon im Vorjahr spielte Geschwindigkeit bei den Hauptunfallursachen die größte Rolle, sowohl bei den Verkehrsunfällen insgesamt, als auch bei den Verkehrsunfällen mit Verletzten. Im Jahr 2021 haben wir unsere Maßnahmen gegen zu schnelles Fahren nochmals erhöht. Im Jahr 2020 wurden auf den Autobahnen 39.079 Geschwindigkeitsverstöße festgestellt und sanktioniert, 2021 waren dies 44.092.

Auf den Autobahnen in OWL ereigneten sich insgesamt 6 tödliche Verkehrsunfälle. Vier dieser tödlichen Unfälle waren sogenannte Stauendunfälle, bei denen LKW-Fahrende auf einen Fahrzeugrückstau auffuhren. Bei diesen 4 Stauendunfällen verstarben 6 Menschen. Die Anzahl von Stauendunfällen mit Getöteten oder Schwerverletzten ist gegenüber dem Vorjahr von 6 auf 10 angestiegen, liegt aber unter dem Niveau der Vorjahre. In den letzten 5 Jahren schwankte die Anzahl der Stauendunfälle mit besonders schweren Folgen zwischen 6 und 15 pro Jahr.

Wir werden weiterhin konsequent gegen Raserei und Drängelei sowie gegen anderweitiges vorschriftswidriges Handeln im Verkehrsraum vorgehen. Aber auch Aufklärung in Bezug auf die Gefährlichkeit bestimmten Verhaltens, wie zum Beispiel die Ablenkung durch elektronische Geräte, ist weiterhin ein wichtiger Baustein der Verkehrsunfallbekämpfung.  

Kommen Menschen in unserem Zuständigkeitsbereich zu Schaden, müssen Verkehrsunfälle akribisch aufgenommen und Spuren gesichert werden. Ein Unfallort wird dann zu einem Tatort. Unser neues, speziell geschultes und hochtechnisiertes VU-Team sichert die Qualität der Unfallaufnahme und damit die Beweisführung, was für die Unfallrekonstruktion, Verursacherklärung und die Unfallopfer- und Hinterbliebenenversorgung weitreichende Verbesserungen mit sich bringt.

Unsere Verkehrssicherheitsberaterinnen und -berater führen nach Verkehrsunfällen mit schweren Folgen regelmäßig aufsuchenden Opferschutz durch. Neuerdings können die Opferschützenden flankierend sogenannte „Kummer-Kumpels" einsetzen, um Kindern, die in Unfälle verwickelt wurden, Trost zu spenden und mit ihnen über das Erlebte ins Gespräch zu kommen." 

In dringenden Fällen: Polizeinotruf 110