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Jahresbilanz Kriminalität 2020

Jahresbilanz Kriminalität 2020
Jahresbilanz Kriminalität 2020
Polizeipräsidentin Dr. Katharina Giere und der Leiter der Direktion Kriminalität, Leitender Kriminaldirektor Wolfgang Niewald, stellten die Kriminalitätsentwicklung 2020 für das Bielefelder Stadtgebiet vor.
Sonja Rehmert

Statement Polizeipräsidentin Dr. Katharina Giere zur Pressekonferenz Jahresbilanz Kriminalität 2020

"Seit 2017 hatten wir in Bielefeld einen anhaltend positiven Trend in der Kriminalitätsentwicklung. Dieser hat sich entgegen des Landestrends im vergangenen Jahr nicht fortgesetzt.

Es wurden 23.213 Straftaten registriert - das waren 4% mehr Fälle als im Vorjahr.

Zwei gegenläufige Entwicklungen sind zu verzeichnen: Insbesondere die Zahl der Wohnungseinbrüche sank, dafür kam es zu einem spürbaren Anstieg bei den Vermögens- und Fälschungsdelikten. Darüber hinaus trugen mehr Straßen-, Gewalt- und Sexualdelikte sowie mehr Rauschgiftkriminalität zur gestiegenen Gesamtzahl der Straftaten bei.

Erfreulich ist, dass die Aufklärungsquote weiterhin deutlich über der Landesquote lag. Mit 60,4% konnten wir knapp über 14.000 Fälle aufklären.

Besonders markant war der Rückgang beim Wohnungseinbruch von knapp 22% um 109 Fälle auf 389 Delikte. Dies ist der niedrigste Wert seit 10 Jahren. Der Höchstwert der Fallzahlen aus dem Jahr 2014 konnte damit fast auf ein Drittel gesenkt werden.
Dafür verantwortlich war ein Bündel von Gründen:
Pandemiebedingt mangelte es den Tätern aufgrund von Lockdowns, Kontaktbeschränkungen sowie Geschäfts- und Grenzschließungen teilweise an Tatgelegenheiten. Aber nicht nur die Corona-Einschränkungen wirkten sich positiv auf die Entwicklung aus, sondern auch die nachhaltige Bekämpfung des Wohnungseinbruchs als Behördenschwerpunkt und aktive Präventions- und Netzwerkarbeit leisteten Beiträge dazu.

Hauptursächlich für den starken Anstieg um über 1.000 Fälle bei den Vermögens- und Fälschungsdelikten waren mehr Betrugsstraftaten. Von insgesamt 5.277 Vermögens- und Fälschungsdelikten verzeichneten wir 4.573 Betrugsfälle - das waren 1.129 mehr als im Jahr 2019. Darunter befanden sich deutlich mehr Straftaten zum Nachteil älterer Menschen als im Vorjahr, ein Anstieg von 34 Taten in 2019 auf 192 in 2020. Dies ist unter anderem damit zu erklären, dass zahlreiche Anrufe von Trickbetrügern, wie zum Beispiel falsche Amtsträger oder falsche Angehörige, überwiegend als strafbarer Versuch gewertet wurden. Etwas über 40% der Betrugsdelikte waren allerdings, wie im Vorjahr, auf Beförderungserschleichungen zurück zu führen. 

In Bielefeld wurden im Jahr 2020 elf Straftaten gegen das Leben verübt, die alle aufgeklärt wurden. In ganz Ostwestfalen kamen unsere Mordkommissionen in 52 Fällen zum Einsatz, das sind 16 Einsätze mehr als 2019.

Den Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung, insbesondere soweit Kinder betroffen sind, gilt unsere ganz besondere Aufmerksamkeit.
Die Gesamtzahl der Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung erhöhte sich um 138 Fälle, darunter sexueller Missbrauch von Kindern um 16 und die Verbreitung pornografischer Erzeugnisse um 62. Der Anstieg der Fallzahlen beruht im Wesentlichen auf der gestiegenen Sensibilität der Bevölkerung und einer dadurch höheren Anzeigebereitschaft. Dies wird unterstützt von einer starken Medienpräsenz und einer intensiven öffentlichen und politischen Beschäftigung mit dem Thema.
Seit September 2020 wurde uns die bezirksweite Zuständigkeit für die Bearbeitung von Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung zum Nachteil von Kindern und Jugendlichen sowie sexueller Missbrauch von Kindern und Jugendlichen übertragen. Die Sachbearbeitung findet seitdem in einem neu gegründeten Kriminalkommissariat 12 statt. Die Fallzahlen fließen jedoch jeweils in die örtlichen Statistiken der betroffenen Kreispolizeibehörden in OWL ein.

Häusliche Gewalt: Es mag überraschen, aber entgegen den vielfach geäußerten Mutmaßungen hatte die Corona-Pandemie jedenfalls im Hellfeld keine signifikanten Auswirkungen auf die häusliche Gewalt in Bielefeld, die Fallzahlen bewegten sich auf nahezu gleichbleibendem Niveau wie in den vergangenen zwei Jahren.

Entgegen der Entwicklung im Jahr 2019 stiegen die Fallzahlen im Bereich der Gewaltdelikte um 56 Taten und der Straßenkriminalität um 409 Taten an. Hierbei wurden weniger Messer als Tatmittel eingesetzt, die Anzahl der Messerangriffe reduzierte sich von 118 auf 89.

Im vergangenen Jahr hatten wir unsere Aktivitäten zur Bekämpfung von Straftaten im öffentlichen Raum in der Bielefelder Innenstadt in einem Behördenschwerpunkt gebündelt, dem wir uns pandemiebedingt allerdings leider nicht durchgängig mit voller Kraft widmen konnten.
Mit Kontrolldruck holen wir diese Kriminalität aus dem Dunkelfeld heraus. Das hat erstens dazu geführt, dass die Anzahl der Rauschgiftdelikte um knapp 10% anstieg und sich in Folge dann auch die statistischen Werte bei der Gewalt- und Straßenkriminalität nach oben veränderten. 

Ein neu hinzugekommenes Tätigkeitsfeld bildete in 2020 die Unterstützung der Stadt im Rahmen der Amtshilfe zur Überwachung und Durchsetzung der Vorschriften aus der Corona-Schutzverordnung. Hierdurch registrierten wir erstmalig neun Straftaten wegen Verstößen gegen das Infektionsschutzgesetz.

Der über die letzten Jahre andauernde Rückgang bei den Wohnungseinbrüchen war Anlass, für das Jahr 2021 die Bekämpfung des Wohnungseinbruchs nicht mehr als Behördenschwerpunkt auszuweisen.
Das eröffnet uns die Möglichkeit, das Thema „Bekämpfung von Straftaten im öffentlichen Raum in der Bielefelder Innenstadt“ noch mehr in den Mittelpunkt zu rücken und weiterhin insbesondere in den Bereichen Stadthallenumfeld, Jahnplatz und Kesselbrink mit starker Präsenz, Razzien und Personenkontrollen, Platzverweisen sowie Bereichsbetretungsverboten zur Sicherheit in der Bielefelder Innenstadt beizutragen."

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